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Wildrosenvielfalt in Rheinhessen und Mainz

von Christoph Weinrich

Wildrosensträucher sind nicht nur vielerorts landschaftsprägend, Mitteleuropa beherbergt auch eine ganz erstaunliche Vielfalt an Wildrosen: rund 30 Arten mit unzähligen Unterarten und Formen kommen hier vor. Allerdings sind Verbreitung und Häufigkeit der einzelnen Arten sehr unterschiedlich.

Weit verbreitet und häufig ist vor allem die bekannte Hundsrose. Die meisten anderen Arten kommen dagegen nur zerstreut bis selten oder gar sehr selten vor oder sind nur gebietsweise häufiger.

Durch die große innerartliche Vielfalt der Wildrosen werden die Grenzen zwischen den Arten manchmal unscharf und die Bestimmung dadurch bisweilen erschwert. Nicht allzu viele Pflanzeninteressierte trauen sich wohl deswegen an die kritische Gattung der Rosen heran und so ist die Kenntnis über die Verbreitung der Arten oft noch lückenhaft. Auch der Artenschutz wird durch diese Unkenntnis erschwert, denn was man nicht kennt, das kann man schlecht schützen. Auch seltene Wildrosenarten genießen dadurch kaum Schutz und werden manchmal sogar von uns Naturschützern bei Entbuschungsmaßnahmen zusammen mit häufigeren Arten wie der Hundsrose beseitigt.

Rheinhessen

Wie sieht es nun in Rheinhessen mit den Wildrosen aus? Rheinhessen und Mainz sind als kalkreiche Gegenden äußerst wildrosenreich! 18 Wildrosenarten konnten wir bislang hier finden. Wenn man bedenkt, daß von den rund 30 mitteleuropäischen Wildrosenarten rund 10 Arten auf die Gebirge (v.a. die Alpen) und Küsten beschränkt sind, sind das fast alle der rund 20 Arten, die hier überhaupt vorkommen könnten!

Folgende Arten und Kreuzungen (Wildrosen können sich selten auch untereinander kreuzen!) wurden von uns bisher in Rheinhessen und Mainz gefunden (mit abnehmender Häufigkeit):

  • Hundsrose (Rosa canina)
  • Weinrose (Rosa rubiginosa)*
  • Buschrose (Rosa corymbifera)
  • Fast-Hundsrose (Rosa subcanina)
  • Flaumrose (Rosa tomentella)*
  • Rauhblättrige Rose (Rosa jundzillii)*
  • Bibernellrose (Rosa pimpinellifolia)*
  • Fast-Buschrose (Rosa subcollina)
  • Feldrose (Rosa arvensis)
  • Schuttrose (Rosa vosagiaca)
  • Sammetrose (Rosa sherardii)
  • Lederrose (Rosa caesia)
  • Wein- x Bibernellrose (Rosa x biturigensis)*
  • Sammet- (?) x Bibernellrose (Rosa sherardii (?) x pimpinellifolia)
  • Filzrose (Rosa tomentosa)
  • Kratzrose (Rosa pseudoscabriuscula)
  • Kleinblütige Rose (Rosa micrantha)
  • Ackerrose (Rosa agrestis)
  • Nelkenrose (Rosa caryophyllacea)
  • Keilblättrige Rose (Rosa elliptica)

Etwas westlich von Rheinhessen im Wald bei Frei-Laubersheim kommen noch vor:

  • Essigrose (Rosa gallica)
  • Feld- x Essigrose (Rosa arvensis x gallica)

Die mit * gekennzeichneten Arten und Kreuzungen würde ich als für Rheinhessen und Mainz charakteristische Arten bezeichnen, weil sie hier häufiger sind als in benachbarten Gebieten und im mitteleuropäischen Durchschnitt.

Bleichkopf bei Jugenheim

Auch auf und am Bleichkopf, dem Schwerpunkt der Schutzgebiete des Mainzer NABU, kommen erfreulicherweise neben den häufigen auch die „rheinhessischen“ Arten vor und sogar als ganz große Seltenheit die Ackerrose, die ich für Mainz und Rheinhessen bisher nur von hier und nur in 2 Exemplaren kenne! Folgende Arten haben wir bisher auf oder am Bleichkopf gefunden:

Alle Bleichkopf-Rosen (außer der häufigen Hundsrose) werden im Standardwerk von Blaufuss & Reichert (Pollichia-Buch Nr. 26, 1992) für Rheinhessen als sehr selten bis sehr zerstreut bezeichnet.

Neophyten

Grundsätzlich gefährdet sind die heimischen Wildrosenarten übrigens auch durch angepflanzte Rosenarten anderer Erdteile, die verwildern und sich mit den heimischen Arten kreuzen können (ähnliches gilt für andere Gattungen). Die ostasiatische Kartoffelrose (Rosa rugosa) bedroht u.a. an der Ostee und Nordsee, wo sie häufig gepflanzt wurde, ernsthaft die heimische, auch „Dünenrose“ genannte Bibernellrose durch Verdrängung und sowie die Zimtrose (Rosa majalis) und die sehr seltene Weichblättrige Rose (Rosa mollis) durch Einkreuzung, die sehr leicht möglich ist.

Schutz, Vermehrung, Gärten

Obige Listen zeigen zwar den großen Artenreichtum Rheinhessens, aber sie verschweigen die große Gefahr, in der sich viele der genannten Arten befinden. Auch die seltensten Arten wachsen meistens auf Flächen, wo sie jederzeit (und oft sogar absehbar) beseitigt werden können: Weg-, Straßen- und Ackerränder (die regelmäßig von höherem Aufwuchs befreit, manchmal sogar totgespritzt werden), Böschungen und Hecken in der Feldflur (denen es ebenso ergeht), Brachflächen (die wieder in Nutzung genommen werden können) oder Naturschutzflächen (die z. T. entbuscht werden). Oder aber an Stellen, wo sie auf Dauer von Bäumen überwachsen werden, wie beispielsweise eine besonders kleinwüchsige Form der Sammetrose in Mainz-Finthen. Dabei ergibt sich aus der großen Arten- und Formenvielfalt und der Seltenheit vieler Arten und Formen für uns eine Verantwortung für deren Schutz.

Wenn wir seltene Arten oder Formen finden, dann versuchen wir oft, den Besitzer der Flächen zu finden und für Schonung und Schutz der seltenen Rosen zu werben. So hat z.B. die Stadt Mainz mit uns seltene Rosen vom Mainzer Ring vor dem Ausbau auf eine Ausgleichsfläche umgepflanzt oder an anderer Stelle mit Zäunen geschützt. Die Wolfgang-Philipp-Gesellschaft sichert zusammen mit Baumschule Ahornblatt in Mainz seltene – auch Mainzer und rheinhessische – Wildrosenarten und -formen durch Aufpflanzung in großen Sammlungen und teilweise auch durch Vermehrung und Verkauf. So ist z.B. die besagte kleinwüchsige Sammetrose aus Mainz-Finthen inzwischen als Sorte ‚Finther Zwerg‘ im Angebot von Ahornblatt.

Die Wildrosen verdienen auch wegen ihres hohen Wertes für die Tierwelt unseren Schutz. Vögel brüten oft in ihnen und nähren sich – wie auch Kleinsäuger – von ihren Früchten. Etliche Kerbtiere leben von und an ihren Blüten, Blättern, Zweigen und Früchten.
Und als Tierschutz- und wunderbare Ziergehölze passen sie auch noch bestens in unsere Gärten, wobei man den Raumbedarf der jeweiligen Art beachten und ggf. kleinwüchsige Arten auswählen sollte. Schön für Gärten sind dabei auch die z.T. uralten und leider zu Unrecht fast völlig in Vergessenheit geratenen Gartenformen der heimischen Wildrosenarten, insbesondere der Essig- und der Bibernellrose, die als inzwischen vielfach vom Aussterben bedrohtes Kulturerbe übrigens auch unseren Schutz verdienen und oft einen ähnlich hohen Wert für die Tierwelt haben wie ihre wilden Verwandten.

Buchtipp: Timmermann & Müller: Wildrosen und Weißdorne Mitteleuropas, Verlag des Schwäbischen Alpvereins, ISBN 3-920-801-40-0.

Der Aufsatz wurde aus dem NABUlletin des Natuschutzbundes Mainz und Umgebung entnommen. http://www.nabu-mainz.de


 
 
 

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