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Wie viel Mensch verträgt die Natur? – Vortrag von Reinhard Richter

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Reinhard Richter ist fast der einzige heutige Rosenzüchter, der – ganz im Sinne des ökologischen Gartenbaus – mit heimischen Wildrosen und Alten Rosen züchtet. Und dafür gebühren ihm Anerkennung und Dank! Nachdem er uns bei einem früheren Vortrag einen Einblick in seine Züchtungsarbeit gegeben hatte, stellte er bei unserem Tag der Rosenblüte am 2. Juni 2012 die Frage: „Wieviel Mensch verträgt die Natur?“. Dabei geht es ihm nicht nur um eine Bestandsaufnahme, sondern vielmehr um greifbare Lösungsansätze. Aber lesen Sie selbst…

Bevor ich mit dem Vortrag beginne, will ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Reinhard Richter, ich wohne in Varel. Die Stadt Varel liegt am Jadebusen im schönen Friesland. Meine große Leidenschaft ist die Züchtung mit heimischen Rosen und unser naturnah angelegter Garten.

Wieviel Mensch verträgt die Natur, bevor es zum Kollaps kommt? Diese Frage tauchte bei mir auf, als ich wieder einmal die Umweltkatastrophenmeldungen im Radio hörte: der Regenwald wird weiterhin abgeholzt, die Weltbevölkerung ist auf über 7 Milliarden Menschen gestiegen, der Klimawandel vollzieht sich weiter. Und unweigerlich kommt man ins Grübeln: gibt es überhaupt noch eine Hoffnung im Zusammenspiel dieser beiden mittlerweile scheinbaren Extreme Mensch und Natur? Vielleicht ist meine Frage „Wieviel Mensch verträgt die Natur?“ gar nicht die richtig gestellte Frage, sondern die Frage müßte lauten „Wieviel Mensch verträgt die Menschheit“.

Wenn wir nicht schonender mit den Ressourcen und mit unserem natürlichen Lebensraum umgehen, wird es zu großen Konflikten kommen. Einige Experten sehen schon keine Chance mehr zur Umkehr und zur Rettung des blauen Planeten. Allerdings prognostizieren andere Wissenschaftler, daß ein Wandel noch machbar ist. Die Erde, die Natur, unser Lebensraum wird allerdings weiterhin und auch ohne uns existieren. Millionen Jahre zuvor hat dies ja bereits funktioniert.

Ich werde ihnen die Frage „Wieviel Mensch verträgt die Natur?“ in meinem Vortrag nicht beantworten. Ich möchte mit meinem Vortrag vielmehr Mut machen und an einigen Beispielen aufzeigen, daß es aufgrund zuversichtlicher Weichenstellungen in Richtung nachhaltigen Naturschutzes eine berechtigte Hoffnung im Zusammenspiel Mensch und Natur gibt. Deshalb ist der eigentliche Ansatz meines Referates auch, was wir tun können, jeder Einzelne von uns, um bedrohten heimischen Pflanzen und Tieren wieder Lebensräume zurückzugeben.

Mein Vortrag basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, jedoch auch auf eigenen Beobachtungen aus unserem etwa 500 m² großen naturnah angelegten Garten.

Der Mensch verändert seine Umwelt schon seit Tausenden von Jahren. So verschwand zum Beispiel vor ca. 2000 Jahren in verschiedenen Regionen der natürliche Lebensraum der Kiefer. Die ursprünglichen Wälder wurden durch die sogenannte Hudewirtschaft, also das Mästen von Schweinen und Rindern mit Eicheln und Bucheckern, in Eichen- und Buchenwälder verwandelt. Folglich wurden schon vor 2000 Jahren aus Urwäldern von Menschenhand geschaffene Versorgungswälder mit einem Verlust an Artenvielfalt. Die Kiefer wurde vor gut 200 Jahren wieder angesiedelt, da Kiefernholz ein gern genutztes Bau- und Möbelholz ist und Gewinn bringt. Aus Urwäldern über Versorgungswälder entstanden so unsere heutigen Wirtschaftswälder – mit einem enormen Verlust an Artenvielfalt.

Weltweit stirbt alle 2 Sekunden ein Waldgebiet in der Größe eines Fußballfeldes. In einem Jahr also 130.000 km². Die Waldfläche in Deutschland beträgt in etwa 112.000 km². Die Rodungen für den weltweiten Bauholz- und Papierbedarf verursachen mehr Treibhausgase, als alle Autos, Flugzeuge und Schiffe weltweit zusammen. 17 % des Regenwaldes sind bereits abgeholzt. Wenn mehr als 20% des Regenwaldes verschwindet, wird sich das Klima dramatisch ändern. Täglich gehen eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren und das nicht nur in fernen Ländern, nein auch vor unserer Haustür. Aber und dies ist ein erstes gutes Beispiel: Naturschützer versuchen gegenzusteuern. Erinnern möchte ich an die Kampagne des Umweltprogrammes der Vereinten Nationen: „Plant for the planet“. Bisher wurden weltweit 12,5 Milliarden Bäume gepflanzt. Viele bekannte Unternehmen, Institutionen und Persönlichkeiten unterstützen dieses Program.

Unsere heutigen Wälder werden Kultur- oder Nutzholzwälder bleiben, mit einer nachhaltigen Waldwirtschaft. Ein Urwald, mit all seiner Vielfalt, ist uns allerdings verloren gegangen. Übrigens: Eine ca. 100-jährige Buche versorgt 10 Menschen ein ganzes Jahr mit Sauerstoff.

Ein anders Thema, das zum Nachdenken anregt, ist die konventionelle Landwirtschaft, die mittlerweile wie ein Industrieunternehmen geführt wird. Global werden nur noch ganz bestimmte Frucht- und Getreidesorten angebaut, die zum Teil auch noch gentechnisch verändert sind! Diese Auslese, aus rein wirtschaftlichen Interessen, senkt einerseits enorm die genetische Vielfalt im Ackerbau und andererseits: stellen sie sich einmal vor was passiert, wenn ein Schädlingsbefall diese selektierten Sorten weltweit befällt! Zusätzlich rottet diese nur gewinnorientierte Agrarwirtschaft unsere heimische Pflanzen- und Tierwelt rücksichtslos aus. So führt z.B. das frühe Mähen der Wiesen für die Grassilage zusätzlich zu einem Artensterben der Frühbrüter; Rehkitze werden ebenfalls getötet. Auch Hungersnöte sind bisher nicht aufgehalten worden. Hinzu kommt noch, daß Lebensmittel, die einen hohen Anteil an Mais und Soja enthalten, das Fettsäuremuster vom entzündungshemmenden Omega-3 hin zum entzündungsfördernden Omega-6 verschieben. Unsere Zivilisationskrankheiten sind eine Folge dieser Nahrungsmittelverfälschung.

Eine ebenso düstere Rolle spielt der Einsatz von Pestiziden. Schon vor über 50 Jahren warnte Rachel Carson in ihrem Buch „Der stumme Frühling“ vor dem Einsatz von Pestiziden. Pestizide sind nicht selektiv. Pestizide sind Pflanzen- und Tiervernichtungsmittel. Pestizide töten alles Leben. Auch wir sind betroffen.
Ist eine Nutzpflanze im Garten mit Läusen befallen, wird mit Giften gespritzt, anstatt auf die natürlichen Schädlingsbekämpfer wie z.B. Meisen, Marienkäfer, Florfliegen oder Ohrenkneifer zu warten. Bei der Anwendung von Giften ist der Erfolg ja schlagartig sichtbar. Ein schnelles und positives Ergebnis, Laus tot, ist für uns Menschen immer sehr erfreulich. Wo sollen die natürlichen Vernichter auch herkommen. Unsere Landschaft und die meisten Gärten sind für die Nützlinge schon lange nicht mehr attraktiv. Die wenigen Tiere, die sich angepasst haben, laben sich dann an dem tödlichen Chemiecocktail und verschwinden so für immer aus unserem Gesichtsfeld.
Der zeitliche Ablaufplan in der Natur steht aber fest. Zuerst erscheinen im Frühjahr die Pflanzen und bilden sich aus. Es folgen die Tiere, die sich von den Pflanzenteilen und Pflanzensäften ernähren. Wir Menschen bezeichnen diese als Schädlinge. Die vorher genannten Vögel und Insekten aber haben schon lange auf dieses Nahrungsangebot gewartet, denn erst jetzt kann der große Appetit des Nachwuchses gestillt werden. Es kann und es wird nicht anders funktionieren.

Al Gore bestätigt in seinem Buch „Wege zum Gleichgewicht“: „Habsucht, Egoismus, Korruption und die Konzentration auf die Ausbeutung geht zu Lasten der langfristigen Gesundheit des gesamten Ökologischen Systems“. Auch wir sind ein Teil dieses Systems. Die Vernichtung riesiger Waldgebiete, riesiger Feucht– und Moorgebiete sowie die Vernichtung von Gewässern und Wildstrauchhecken, also die Vernichtung von Treibhausgasspeichern, geht einher mit der Vernichtung der Artenvielfalt.
Weltweit sind:
30% der Amphibien,
22% der Säugetiere,
12% der Vögel,
28% der Reptilien,
37% der Süßwasserfische und
70% der Pflanzen akut gefährdet!

Und die Gefährdung schreitet nach neuesten Berechnungen viel schneller voran, als bisher angenommen! Die vom Menschen beeinflußte Klimaveränderung verursacht jedes Mal Schäden in Höhe mehrerer Milliarden Euro und noch schlimmer, viele Lebewesen werden getötet.

Biologen registrieren, daß die Klimaerwärmung sogar schon die genetische Vielfalt des Schildkrötenbestandes beeinflusst. Durch die geringfügig erhöhten Temperaturen, schlüpfen aus den am Strand vergrabenen Schildkröteneiern wesentlich mehr weibliche als männliche Schildkröten. Der Artenbestand ist zwar nicht gefährdet, da die verbliebenen Männchen sich mit mehreren Weibchen paaren; aber, die genetische Vielfalt schwindet. Bei den Krokodilen und vermutlich auch bei anderen Reptilienarten, die das Brutgeschäft wie die Schildkröten seit Millionen von Jahren durch die Natur regeln lassen, wird es sich wohl ähnlich verhalten.

Bei all dem Ärger über weitere Umweltprobleme wie Verseuchung ganzer Landstriche und der Ozeane mit Öl, Vergiftung der Böden, der Luft und des Trinkwassers mit Schadstoffen, die gentechnische Manipulation der Nahrungsmittel, die Vermüllung der Meere mit Kunststoffteilchen, die Überfischung der Meere, die Vermaisung der Landschaft und vieles mehr, wurde mir zugleich auch klar, daß die Erkenntnisse und Mahnungen einiger verantwortungsbewußter Umweltschützer langsam Früchte tragen und einige Erfolge vermeldet werden können: Verbot bestimmter Pestizide, Bleiverbot in Benzin, Störe, Lachse und Forellen werden in unseren Flüssen wieder gesichtet, Luchs und Wolf werden wieder angesiedelt, der Wolf wurde sogar im Westerwald gesichtet, Italien und andere Länder verbieten Plastiktüten, weg von der Kernenergie und Ausbau der erneuerbaren Energien, Industrieunternehmen wollen in Zukunft kohlendioxidneutral produzieren, Feuchtgebiete und Ausgleichsflächen werden geschaffen, der EU-Agrarminister fordert, daß die Landwirtschaft „grüner“ wird und etliche Beispiele mehr.
Jeder Einzelne von uns wird die großen weltweiten Veränderungen kaum beeinflussen können. Andererseits bin ich der festen Überzeugung, daß wir etwas aktiv unternehmen können.

Dazu möchte ich Ihnen meine zwei Empfehlungen unterbreiten, wie wir in unserer nahen Umgebung Leben fördern können anstatt zu töten!

Erste Empfehlung: Die Veränderung meiner Lebensgewohnheiten.

Zweite Empfehlung: Die Veränderung meines Gartens in ein Paradies für Pflanzen und Tiere.

Die erste Empfehlung werde ich nur kurz beleuchten, auf die zweite Empfehlung werde ich etwas näher eingehen.

1. Die Veränderung meiner Lebensgewohnheiten, z.B.

a) Ökostrom beziehen.
Dies bedeutet Einsparung von fossilen Brennstoffen und Senkung des Kohlendioxidausstoßes.
Die Windkraftenergie in Deutschland wird nach Angaben der Branche in 15 Jahren mehr Strom liefern, als derzeit die vorhandenen Atomkraftwerke. Beim Biogas-Boom muss aber aufgepasst werden, daß die Umweltbelastung durch den Transport von Mais und Gülle und die Zerstörung der Artenvielfalt den Umweltnutzen nicht negativ beeinflußt.

b) Eine Solarthermieanlage für die Warmwasseraufbereitung anbringen (wenn möglich).
Seit 1993 haben wir eine Solarthermieanlage, und wir sind sehr zufrieden mit der Leistung der Anlage und der daraus resultierenden Einsparung an fossilen Brennstoffen wie Gas, aber auch Strom. Die fossilen Brennstoffe und das müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, sind nicht unbegrenzt verfügbar.

c) Umsteigen aufs Fahrrad oder zu Fuß gehen; so viel wie möglich.
Motto: „Geh nicht fort, kauf vor Ort“, z.B. auf Wochenmärkten oder bei heimischen Kleinbetrieben.

d) Bioprodukte und Fair-Trade Produkte kaufen, so oft wie möglich.
Ca. 10 % der Landwirte in Deutschland bauen Bio-Produkte an, ca. 21 % der Deutschen kaufen Bio-Lebensmittel. Bio bedeutet nicht, daß die Produkte vielleicht schmackhafter sind, der Bio Gedanke bedeutet: gerechte Tierhaltung, geringe Schadstoffbelastung, Verzicht auf Chemie sowie Klima-, Wasser- und Bodenschutz.

Cynthia Curl von der Universität in Washington hat im Jahr 2003 Urinproben von Kindern, die überwiegend Bioprodukte aßen, auf Pestizidanteile untersucht und mit den Urinproben von Kindern verglichen, die überwiegend Produkte aus konventioneller Landwirtschaft zu essen bekamen. Bei den Kindern, die Bioprodukte zu sich nahmen, wurden keine bis nur minimale Pestizidgehalte im Urin festgestellt. Die Werte der Kinder, die Produkte aus der konventionellen Landwirtschaft aßen, waren im Extremfall bis zu 6-fach höher. Ähnliche toxische Pestizidmengen findet man in der Muttermilch und mittlerweile in Urinproben von Landwirten und Gärtnern.
Es geht also nicht nur um Umweltschutz, es geht auch um Gesundheitsschutz!

e) Bekleidung nach ökologischen Gesichtspunkten auswählen.

f) Aktive oder passive Förderung von Institutionen, die sich für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen.

2. Die Veränderung meines Gartens in ein Paradies für Pflanzen und Tiere

09Wenn ich mir dort, wo ich wohne, die umliegenden Gärten von oben aus der Luft betrachte, dann ist unser Garten fast der einzige, der den Tieren gefällt. Sicher, ein einziger nach ökologischen Gesichtspunkten angelegter Garten rettet nicht die Tier- und Pflanzenwelt; aber unser Garten ist eine Oase in all den mit Thuja, Kirschlorbeer und Rhododendren umsäumten Rasenanlagen. Warum jetzt ausgerechnet die naturnahe Gartengestaltung selten gewordenen heimischen Pflanzen und Tieren verlorene Lebensräume zurückgeben kann, möchte ich an einer Zahl verdeutlichen, die mich erstaunt und gleichzeitig begeistert hat. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer ist mit einer Fläche von ca. 2770 km² etwas größer als das Saarland (ca. 2570 km²). Aber meine Damen und Herren: Alle Gärten in Deutschland und dies sind ca. 13 Millionen, alle Gärten in Deutschland, haben zusammen eine Fläche von 6000 km²; also eine über doppelt so große Fläche wie der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer oder das Saarland. Jetzt wird auch klar, warum ein Ökosystem naturnaher GARTEN sich so positiv auf unsere Umwelt und auf die Erhaltung der bedrohten Arten auswirkt. Wir müssen unsere Gärten in ein Paradies für Tiere und Pflanzen verwandeln. Und dies ist sehr einfach zu erreichen:

a) Weg mit einem Großteil des Rasens
b) Anlegen einer Wildstrauchhecke
c) Anlegen eines Teiches
d) Anlegen einer Wildkräuterecke
e) Aufstellen von Nistkästen und Futterhäuschen für Vögel
f) Anbringen von Insektenhotels für Käfer, Florfliegen, Solitärbienen.

Auf die Punkte a) bis d) werde ich jetzt näher eingehen.

Zu a) Weg mit einem Großteil des Rasens

01Der schöne deutsche Englische Rasen ist in der Pflege vermeintlich einfach zu handhaben. Jedoch, ein 2 x wöchentlich durchgeführter Rasenschnitt verursacht Lärm und verbraucht fossile Energieträger. Die Amerikanerin Amy Townsend-Small von der Kalifornischen Universität Irvine hat in einer Studie festgestellt, daß eine Rasenfläche das Klima belastet. Frau Townsend-Small hat für diese Studie vier Parkanlagen in Irvine untersucht. Der Rasen nimmt zwar bei der Photosynthese Kohlendioxid auf, aber die eingesetzten Rasenmäher, die Düngerproduktion, der Einsatz der Laubsauger und Laubbläser und anderer Aufwand setzen viermal mehr Treibhausgase frei, als die Rasenflächen speichern. Also: Weg mit dem Großteil des Rasens und im Garten soviel wie möglich ohne maschinellen Einsatz erledigen.

Zu b) Anlegen einer Wildstrauchhecke

03Der intelligenteste Eingriff des Menschen in die Natur ist aus meiner Sicht das Anlegen einer Wildstrauchhecke. Hecken sind nachweislich artenreiche Ökosysteme. Deshalb bezeichnet man die Wildstrauchhecke auch als die kleine Schwester des Waldes. Bereits vor 3000 Jahren wurden Wildstrauchhecken als lebende Abgrenzung angelegt. Dornige Sträucher und kleinere Bäume, die das Beschneiden durch den Menschen sehr gut vertrugen, bildeten regelrechte biologische Zäune. Es entsteht ein Zufluchtsort für viele gefährdete Tierarten, der auf den ersten Blick nicht erkennbar ist: Singvögel, Mauswiesel, Igel, Eidechsen, Kröten und Insekten finden hier Unterschlupf, Nistmöglichkeiten und reichlich Nahrung. Schädlinge werden somit durch die natürlichen Feinde dezimiert. Ein Wieselpärchen z.B. hält von seinem Unterschlupf aus eine Ackerfläche von 100 m Durchmesser frei von Feldmäusen. Die Wildstrauchhecke ist die Basis des biologischen Pflanzenschutzes. Ich weiß aus eigener Erfahrung: ein Garten, umgeben von einer heimischen Wildstrauchhecke, ist frei von Schädlingen. Forscher der Uni Göttingen stellten zudem fest: je länger eine Hecke ist, umso mehr Vogelarten kommen vor. Eine Verlängerung um das Fünffache erhöht die Zahl der Feldvogelarten von zwei auf zehn, also auch um das Fünffache. Mein Haus und Garten ist von zwei Seiten von einer Wildstrauchhecke umgeben. Ich kann diese Beobachtung bestätigen, da viele sonst scheue Vögel und die unterschiedlichsten Insekten sich in unserem Garten heimisch fühlen.

Sogar im Biologischen Weinbau werden wieder vermehrt Wildstrauchhecken angepflanzt, um u.a. die Auswirkungen von Schadpilzen zu bremsen. Der Einsatz von Spritzmitteln kann somit eines Tages vielleicht völlig reduziert werden.

Diese Idee von ganz früher, das Anlegen einer Wildstrauchhecke als biologischer Pflanzenschutz und als Lebensraum vieler fast ausgestorbener Pflanzen und Tiere, sollten auch wir übernehmen.

Welche Sträucher für eine Wildstrauchhecke in einem auch noch so kleinen Garten sinnvoll sind, empfiehlt der bebilderte Katalog der Firma Ahornblatt. Von vielen heimischen Pflanzen gibt es zudem interessante Varietäten oder Spielarten, z.B. den Schlitzblättrigen Holunder. Ich empfehle zusätzlich die heimische Rosenvielfalt.

Zu c) Anlegen eines Teiches

1030 % der Amphibien sind weltweit gefährdet. Durch das Trockenlegen der Sümpfe und der nassen Wiesen ist der Lebensraum fast verschwunden. Ein Teil der verbliebenen Frösche und Kröten wird auf deren Wanderung zu den Laichplätzen durch den Autoverkehr vernichtet, später ereilt dann die die Gewässer verlassenden Jungtiere ein ähnliches Schicksal.
Ein Teich im eigenen Garten zieht wie magisch die Amphibien an. Teichmolche, Grasfrösche und Kröten sind die ersten Gäste, aber auch Wasserkäfer und Libellen nehmen sofort Besitz vom Gartenteich. Stundenlang gibt es neues an diesem Treffpunkt zu beobachten. Zwar hat eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität von Kalifornien in Berkeley herausgefunden, daß von Menschen angelegte oder wiederhergestellte Feuchtgebiete natürlich gewachsene Biotope offensichtlich unterlegen sind. Sie speichern weniger Kohlendioxid und die ursprünglich vorhandene Artenvielfalt entsteht auch nicht wieder; selbst nach hundert Jahren nicht. Naturnah angelegte Gartenteiche zählen jedoch zu den pflanzen- und tierreichsten Lebensräumen und sind daher Ersatzbiotope für Tiere und Pflanzen, die in unserer freien Landschaft keine Heimat mehr finden. Viele heimische Teichpflanzen sind wichtige Nektar- und Pollenspender für viele Insekten. Für die Raupen verschiedenster Schmetterlingsarten zudem eine wichtige Nahrungsquelle.
Wenn Sie einen Teich anlegen möchten oder sogar schon angelegt haben, vergessen Sie bitte nicht, einen Steinhaufen oder eine Trockenmauer mitanzulegen. Hier fühlen sich alle Amphibien sehr wohl; auch ein Totholzhaufen ist ein beliebter Unterschlupf. Ein Totholzhaufen ist übrigens sehr lebendig.

Zu d) Anlegen einer Wildkräuterecke

08Die Küchenkräuter Lavendel, Salbei, Thymian, Oregano und – nicht zu vergessen – Ysop, übrigens hier bei Ahornblatt zu beziehen, sind wahre Blühwunder und unverwüstlich. Diese Wildkräuter ziehen Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Insektenarten gleichermaßen magisch an. Aber wir dürfen Wildkräuter und Staudenpflanzen wie z.B.: Akelei, Beinwell, Fingerhut, Leimkraut, Löwenzahn, Wilde Möhre, Sauerampfer, Schöllkraut, Wilder Dost, aber auch Disteln und die Brennnessel nicht vergessen.

Gerade die unterschiedlichsten Hummelarten und die Solitärbienen, sind mittlerweile für die Bestäubung unentbehrlich geworden, denn viele Bienenvölker werden durch den Einsatz neuer Beizmittel, die Neonikotinoide, und anderer Pestizide dahin dezimiert. Die Bienen können wie Kleinkinder die Schadstoffe im Körper nicht abbauen, dies bedeutet, daß bei jedem erneuten Sammeln von Pollen und Nektar diese Giftstoffe im Körper der Insekten in tödlichen Mengen angereichert werden. Diese Neonikotinoide greifen das Zentrale Nervensystem der Insekten an … und vielleicht auch unseres? Die Hummel ist leider ebenso gefährdet, und einige Arten stehen schon auf der Roten Liste. Hier setzt jetzt unser Hilfsprogramm an: Wildkräuterbeete, Totholzhaufen, Laubschutz im Winter und der Einsatz von Hummelkästen und Insektenhotels helfen der Hummel und den Solitärbienen zu überleben. Übrigens: die Hummel fliegt auch bei ungünstiger Witterung, wenn es nieselt oder wenn es kalt ist. Die Biene bleibt dann im warmen Stock. Und ganz entscheidend, die Hummel sticht nicht!
Wer jetzt Angst vor der ausufernden Verbreitung z. B. der Brennnessel oder anderer Wildkräuter in seinem Garten hat, dem rate ich, diese in große Töpfe zu pflanzen und an geeigneter Stelle in seinem Garten zu deponieren.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: ein naturnah angelegter Garten begünstigt enorm die Artenvielfalt und wird so mit all seiner Vielfalt zur Heimat und zum neuen Lebensraum vieler Lebewesen. Wir haben in unserem Garten kaum Plagegeister, da die vielen Vögel, Frösche und Kröten, Libellen und auch Wespen und Hornissen in unserem Garten ein Zuhause finden und auch finden dürfen.

Wir wollen unsere Gärten so bepflanzen, daß dieser ein Lebensraum für eine reiche biologische Vielfalt wird. Dazu braucht es Menschen und Organisationen wie die Firma Ahornblatt, die sich auf die Suche nach vermeintlich ausgestorbenen heimischen Pflanzen machen, diese wiederentdecken und in eine eigene Genbank auf Eignung für einen Naturgarten prüfen. Aber es braucht auch uns, diese geeigneten Pflanzen, die uns jetzt zur Verfügung stehen, zu erwerben. Starten wir endlich unser eigenes Artenschutzprogramm und fördern wir den Artenreichtum, indem wir diese Genbank in unsere Gärten vervielfältigen.

Und dann, liebe Zuhörer, das lassen Sie mich zum Schluß sagen, können wir alle dem indischen Sprichwort zustimmen, das besagt:

„Man muss nicht erst sterben, um ins Paradies zu gelangen, solange man einen Garten hat“.

Weitere Bilder aus Reinhard Richters Naturgarten (sie können durch Anklicken auch vergrößert als Bilderschau betrachtet werden):
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